
Meine Kollaboration mit Claude, interpretiert von Nano Banana 2. Meine Katzen Kenny und Dimitry sind von KI unbeeindruckt, verbessern aber den Workflow auf ihre Art.
Es gibt ein Geständnis in dieser Jubiläumsausgabe, und damit rücke ich am besten gleich am Anfang heraus: Ich schreibe mit KI. Nicht nur zur Unterstützung von Recherchen und zum schnelleren Durcharbeiten von Dokumenten. Entwerfen, Argumentieren, Überarbeiten von Textfassungen - das alles geschieht in einer ständigen Schleife zwischen mir und einer Maschine. Diese intensive Zusammenarbeit mit KI hat mich effizienter und produktiver gemacht als je zuvor. Aber darüber hinaus glaube ich, dass mich dieser Prozess zu einer besseren Journalistin gemacht hat als ich es in meiner mehr als drei Jahrzehnte langen Karriere jemals war.
Ich weiß, dass man das eigentlich nicht sagen soll. Es gilt als Frevel.
Die üblichen Bekenntnisse zum KI-Einsatz in den Medien klingen ungefähr so: Ich nutze KI-Tools für die Recherche, für das Zusammenfassen von Quellen, für die Produktivität - aber niemals fürs Schreiben. Das ist rein menschlich. Die Botschaft dahinter: Das Schreiben ist der Ort, an dem das eigentliche Handwerk lebt. Es ist rein und unberührt von KI. Neun Monate lang habe ich andere Erfahrungen gemacht - und bin zu dem Schluss gekommen, dass dieses Mantra zu eng definiert, was Journalismus im Kern ausmacht. Und darüber hinaus als Definition im KI-Zeitalter auch nicht besonders nützlich ist. Aber hat diese Definition die journalistische Realität jemals wirklich erfasst?
Woodward und Bernstein sind immer noch die berühmtesten Reporter in der Geschichte des Journalismus. Ihre Arbeit durchlief intensive Redigierschleifen mit den Redakteuren der Washington Post und Chefredakteur Ben Bradlee. Möglicherweise hat nur ein Bruchteil ihrer eigenen Wörter den Weg in die veröffentlichten Artikel gefunden. Aber niemand zweifelt daran, dass sie die eigentlichen Reporter des Watergate-Skandals waren. Investigative Journalisten, deren Ergebnisse in durchsuchbaren öffentlichen Datenbanken landen - das Panama Papers-Team des ICIJ, die Datenjournalisten von ProPublica - produzieren oft kaum Prosa. Die Reportage ist die Extraktion und Verifizierung von Wahrheit, nicht die Sätze, die darum herum gebaut werden.
Am anderen Ende des Spektrums war Hunter Thompsons Gonzo-Journalismus so eng mit seiner Stimme, seiner Wahrnehmung und seiner Vorstellungskraft verwoben, dass die Prosa vom Akt des Bezeugens nicht zu trennen war. Beide Enden dieses Spektrums sind Journalismus. Das waren sie immer.
You Can't Automate Good Judgement
AI promises speed and efficiency, but it’s leaving many leaders feeling more overwhelmed than ever.
The real problem isn’t technology.
It’s the pressure to do more with less — without losing what makes your leadership effective.
BELAY created the free resource 5 Traits AI Can’t Replace & Why They Matter More Than Ever to help leaders pinpoint where AI can help and where human judgment is still essential.
At BELAY, we help leaders accomplish more by matching them with top-tier, U.S.-based Executive Assistants who bring the discernment, foresight, and relational intelligence that AI can’t replicate.
That way, you can focus on vision. Not systems.
Es gab eine Zeit, in der Reporter keinen Reinheitstest bestehen mussten. Der Rewrite-Desk war jahrzehntelang Standard bei Nachrichtenagenturen. Ein Reporter rief seine Erkenntnisse durch, und jemand anderes formte daraus die Geschichte. Der Reporter war trotzdem noch der Reporter. Was ihn dazu machte, war nicht die Prosa - es war das Urteilsvermögen, die Quellen, die Verifizierung, die Verantwortung für das, was wahr war. KI verschiebt die Produktion in Richtung Recherche und Daten in diesem historischen Spektrums. Das ist nicht neu. Es ist die Beschleunigung einer Tendenz, die schon immer da war.
Im Februar veröffentlichte der Chefredakteur des Cleveland Plain Dealer Chris Quinn einen Kommentar. Darin beschrieb er eine Journalismusabsolventin, die einen Reporterjob bei seiner Zeitung ablehnte. Der Arbeitsablauf sah vor, dass sie ihre Notizen von draußen einer KI übergeben sollte, die daraus eine Rohfassung baute, mit anschließender redaktioneller Korrekturschleife. Die US-Medienbranche diskutierte wochenlang teils heftig über die Bedeutung dieses Vorfalls. Sehr kluge Leute haben sich aus verschiedenen Perspektiven dazu geäußert - darunter Pete Pachal und Dante Ciampaglia - daher werde ich die Argumente, ob KI die Rolle eines Autors oder einer Autorin übernehmen soll und was das für die Zukunft des Journalismus bedeutet, nicht wiederholen.
Kaum jemand hat bisher geschildert, was es eigentlich bedeutet, mit KI zu schreiben - nicht ob man es sollte, sondern was passiert, wenn man es jeden Tag, über Monate hinweg tut, um Beiträge zu produzieren, die den eigenen Namen tragen. Ich tue es. Meinung dazu beruht nicht auf theoretischen Prinzipien sondern auf eigenen Erfahrungen.
Wenn ich vom Schreiben mit KI spreche, meine ich das Schreiben mit Claude. Claude erfasst meinen Stil und meine Art zu strukturieren gut genug, dass ich ihm einen ersten Entwurf anvertrauen kann. Der mühsamste Teil des Journalismus ist oft das Verwandeln einer Struktur mit allen Elementen, die man bereits im Kopf hat, in Prosa, Wort für Wort. Claude gibt mir etwas, womit ich arbeiten kann, anstatt vor einem leeren Bildschirm zu sitzen. Ich lasse Claude nicht immer zuerst ran, aber es löst eine Schreibblockade, weil ich diese Option immer habe.
Mit KI zu schreiben ist kein An-Aus-Schalter. Zwischen dem Produzieren von Slop ohne menschliche Aufsicht und dem völligen Verzicht auf KI gibt es ein riesiges Spektrum. Meine Interaktion mit Claude hat so viele Durchlaufschleifen, dass im Endprodukt oft kaum noch etwas vom ersten Entwurf übrig ist, den Claude geschrieben hat. Ist das dann mein geistiges Werk oder Claudes? Natürlich ist es meins. Ich habe Claude gezielt auf meine redaktionellen Standards trainiert. Es liegt allein in meinem Ermessen, was in eine veröffentlichungsreifen Beitrag einfließen soll, und ich trage dafür die volle Verantwortung.
Das Wertvollste, was Claude in unserer Zusammenarbeit tut, ist nicht das Schreiben, sondern wie die KI mich herausfordert. Weil ich meinen eigenen Workflow aufgebaut und verfeinert habe, die Regeln gesetzt und verfeinert habe und meinen KI-Assistenten darauf trainiert habe, meine Annahmen bei jedem Schritt zu hinterfragen, ist das wie ein sehr kluger Redakteur, den ich jederzeit zur Hand habe und der mich ständig dazu bringt, tiefer zu recherchieren und treffender zu formulieren.
Ich arbeite allein. Die meisten Newsletter-Autorinnen und -Autoren tun das. Die meisten Freiberufler auch. Die redaktionelle Infrastruktur, die der institutionelle Journalismus als selbstverständlich betrachtet - eine Redakteurin, die deine Prämisse hinterfragt, ein Kollege, der das schwache Argument entdeckt, ein Redakteur, der sieht, was du in deinem eigenen Text nicht siehst - existiert für Solo-Journalisten nicht. Dieses Auffang-Gerüst hat es nie gegeben. Die meisten von uns haben das als Bedingung unabhängiger Arbeit akzeptiert.
Was ich jetzt habe, ist ein Kollaborateur, der mir sagt, wenn das Argument nicht trägt, der Einstieg die eigentliche Story begräbt und die Struktur verworren ist. Neun Monate dieser Feedback-Schleife haben mein Denken auf eine Art geschärft, wie viele frühere Solo-Journalismus-Jahre es nicht taten.
Das macht die Fragen rund um den KI-Einsatz im Journalismus nicht weniger real oder wichtig. KI bringt spezifische Fehlertypen mit sich, wie zum Beispiel Halluzinationen. Bei Claude erlebe ich das nicht sehr häufig, aber ab und zu schleicht sich eine frei fabulierte Zahl oder Aussage ein, und meine redaktionelle Faktenprüfung muss rigoros genug sein, um sie zu erkennen. Jegliche Fehler, die seit dem Aufbau meines Mensch-Maschine-Workflows durchgerutscht sind, waren meine eigenen und keine KI-Halluzinationen. Und es hätte mehr Fehler gegeben, wenn Claude sie nicht rechtzeitig entdeckt hätte.
Mit KI zu schreiben ist nicht für jeden. Ich verstehe, warum Magazine wie The Atlantic oder The Onion KI aus guten Gründen noch nicht einmal in die Nähe ihrer Reportagen lassen. Ich habe ihre Argumente in früheren Ausgaben von News Machines analysiert. Aber die meisten von uns schreiben keine Essays oder Satire. Meine Texte sind analytisch und enthalten praktische Tipps für Branchenprofis. Was zählt, ist nicht, ob jedes einzelne Wort von mir stammt, sondern ob ich gründlich recherchiert habe und ob mein redaktioneller Workflow rigoros genug ist, dass ich guten Gewissens für meine Beiträge mit meinem Namen einstehen kann.
Premium-Abonnentinnen und -Abonnenten haben Zugang zum Master-Dokument, das ich bei jedem neuen Projekt in Claude hochlade. Es enthält alle meine Recherche-, Stil- und Übersetzungsregeln, die ich in neun Monaten KI-unterstützten Schreibens verfeinert habe. Dieses Dokument ist auf englisch, da ich grundsätzlich auf englisch mit KI-Tools kommuniziere (sie reagieren darauf besser).
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