Hallo, ich bin Medieninnovationsjournalistin Ulrike Langer und Du liest die neue Ausgabe von News Maschinen. Wie immer gilt auch heute: Diesen Newsletter abonnieren, upgraden, weiterleiten, empfehlen oder durch einen Klick auf die Werbung unterstützen - all das ist sehr willkommen. Und nun geht es zur Sache.

Adam Harder will mit InPress erreichen, dass faktenbasierter Journalismus für junge Nutzer wie Schokolade statt Gemüse schmeckt
Adam Harder hat einen ungewöhnlichen Weg durch die Medienbranche hinter sich. Er wuchs in Ohio auf, trat der US-Luftwaffe bei, um sein Studium zu finanzieren, und arbeitete sechs Jahre lang als Rundfunk-Journalist - stationiert in Belgien, Südkorea und Saipan (Marianen-Inseln). Danach wechselte er ins Tech-Marketing bei Cisco und DigitalOcean, bevor er InPress gründete: eine News-Aggregator-App, die auf Gamification und sozialem Matching basiert. Die Grundidee: Fakten konsumieren soll die gleichen Hirnzentren aktivieren wie Doomscrolling - nur positiver. Seine Formel dafür lautet: "Das Gemüse muss wie Schokolade schmecken." Dieser Satz ist zur Leitphilosophie der App geworden.
InPress produziert keine eigenen Inhalte. Die App aggregiert Artikel aus frei zugänglichen Quellen über OPoint - einen Dienst, der Inhalte von tausenden Medienunternehmen weltweit lizenziert, aber keine Inhalte hinter Paywalls wie die der New York Times oder des Wall Street Journal. Dazu kommen KI-generierte Zweizeiler ("Gists") sowie Duolingo-ähnliche Streaks, Leaderboards und ein Matching-Algorithmus, der Nutzerinnen und Nutzer anhand ihrer Denkweise und emotionalen Reaktionen auf Nachrichten miteinander verbindet.
Jeder Artikel wird in drei Dimensionen bewertet: Emotion, Interesse und Wichtigkeit. Diese Bewertungen fließen in ein Vektor-Modell ein, das auf Gemini- und OpenAI-Embeddings basiert und das sich entwickelnde Weltbild jedes Nutzers in einem mehrdimensionalen Raum abbildet. Harder verwendet dafür eine anschauliche Analogie: Jede Artikelbewertung bewegt deinen Planeten durch den unendlichen Raum - und wer dir am nächsten kommt, teilt deine aktivsten Interessen.
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Starke Engagement-Metriken - aber die aktiven Nutzerzahlen bleiben vage
InPress ist seit 16 Monaten live - zunächst nur in Washington DC, dann in New York, seit April 2025 im ganzen Land. Gesamtausgaben bisher: 220.000 Dollar. Gesamte Downloads: 13.000. Harder geht damit offen um. "Im Vergleich zu anderen Tech-Unternehmen ist das buchstäblich nichts", sagt er. "Wir haben kein Geld in massive Nutzerakquise gesteckt."
Was er stattdessen in den Vordergrund stellt: Engagement-Metriken, die sich schwerer faken lassen als Download-Zahlen. Nutzerinnen und Nutzer verbringen 8,5 Minuten pro Session auf InPress. Sie lesen und bewerten täglich 12,6 Artikel. Die 30-Tage-Retention liegt bei 43 Prozent. Insgesamt wurden bislang 316.000 Artikel-Umfragen ausgefüllt. Das Durchschnittsalter der Nutzer beträgt 31 Jahre, die dichteste Altersgruppe liegt zwischen 23 und 31. "Es gibt keinen Grund, warum 22-Jährige heute täglich 12,6 geschriebene Journalismus-Beiträge auf dem Handy lesen und bewerten sollten", sagt Harder. Dass sie es in der App tun, “ist der Beweis für unsere These”.
Weniger offen ist er beim Verhältnis von täglich zu monatlich aktiven Nutzern - die Kennzahl, die Duolingo als Maßstab für Nutzerbindung verwendet (37 Prozent). Harder sagt, seine Zahlen lägen "im Tausenderbereich", nennt aber keine Prozentzahl - mit dem Verweis, dass der US-weite Launch erst im April 2025 stattfand. InPress 2.0, eine grundlegend überarbeitete Version der App, soll im April auf den Markt kommen.

Mockups für InPress 2.0, das im April erscheinen soll. Links: Überblickskarte (Gist card) des Feed, Mitte: Social Onboarding Screen, rechts: Artikel-Sharing (In-App).
Das Geschäftsmodell: Was Nutzer über sich verraten
Drei Einnahmequellen sind in der Entwicklungsphase, keine davon läuft bisher in relevantem Maßstab. Erstens: eine B2B-Verhaltensdatenplattform, die anonymisierte, datenbasierte Erkenntnisse über Zielgruppen an Medienunternehmen und werbetreibende Marken verkauft. Letters of Intent von interessierten Unternehmen liegen vor, aber die Plattform selbst wird noch gebaut. Das Versprechen: InPress-Daten zeigen, was Nutzer wirklich über Fakten denken und fühlen - nicht algorithmische Proxys, die durch Engagement-Optimierung verzerrt sind. "Wir können dir sagen, wie jede Zielgruppe über alles denkt, was in den Nachrichten passiert", sagt Harder. "Und das ohne den Filter einer voreingenommenen Berichterstattung."
Zweitens: ein Premium-Content-Modell nach dem ClassPass-Prinzip. Nutzerinnen und Nutzer zahlen eine monatliche Gebühr für Credits, mit denen sie Artikel hinter Paywalls von Partnermedien entsperren können - und dabei alle Gamification- und Social-Features behalten. (ClassPass ist ein US-amerikanischer Dienst, bei dem Mitglieder monatlich Credits erhalten, um Kurse in verschiedenen Fitnessstudios zu buchen - ohne sich an ein einziges Studio zu binden.) Dafür braucht es Medienpartnerschaften, die InPress noch nicht öffentlich verkündet hat - obwohl Harder bestätigt, dass mindestens eine unter NDA steht und in etwa zwei Monaten publik gemacht werden soll.
Drittens: Vereinbarungen zu Werbeplatzierungen mit Medienpartnern, die bereits für "mehrere hunderttausend Dollar an zugesichertem Wert" unterzeichnet sind - aber bewusst noch nicht aktiviert wurden. Harder wartet, bis die App bereit ist, Traffic in nachhaltige Nutzerbindung umzuwandeln und nicht nur einen kurzfristigen Spike zu erzeugen. Das laufende Pre-Seed-Investment von zwei Millionen Dollar, das von Flybridge Capital unterstützt wird, ist vor allem für die Nutzerakquise vorgesehen - sobald InPress 2.0 bereit zum Skalieren ist.

Weitere Mockups für InPress 2.0. Links: Artikel Rating (Emotion), Mitte: Artikel Rating (Interesse), Rechts: Nutzerprofil - mit kombiniertem InScore, Profil-Updates und Settings an einem Ort.
Erst die These beweisen, dann die Partnerschaften verdienen
InPress hat keine New York Times und kein Wall Street Journal an Bord - Medienunternehmen, die weder mit OPoint zusammenarbeiten noch eine Partnerschaft mit einer App mit 13.000 Downloads eingehen würden. Harder sieht das nicht als strukturelles Problem, sondern als Frage des richtigen Timings: Erst die These beweisen, dann die Partnerschaften verdienen. Er sagt, Paywall-Medien hätten sich bereits bei InPress gemeldet, um aufgenommen zu werden. "Wir haben ihnen im Grunde gesagt: wartet noch ab."
Bei der Frage nach KI-generiertem Content bewegt sich InPress auf einem schmalen Grat. Die App wirbt damit, frei von KI-Slop zu sein - und das stimmt, insofern dass keine KI-generierten Artikel im Feed erscheinen. Aber die Gists sind KI-generiert, auf Basis von Prompts, die Inhalte knapp zusammenfassen, ohne die Story vorwegzunehmen. Harder sagt, die Redaktion kontrolliere Grenzfälle, und der Ablauf, der einen Einzeiler erzeugt mache selten Fehler. Außerdem verpflichtet InPress Partnermedien vertraglich dazu, keine KI-generierten Inhalte einzureichen.

Diese Folie aus einer Präsentation für Investoren listet einige der Features in der kommenden InPress 2.0. Version auf. Quelle für alle Illus in diesem Post: InPress
Zielvorgabe in einem Jahr: Sechsstellige Nutzerzahl und eine andere Art von Paywall
Harders Einjahresplan:
mehrere hunderttausend Nutzer in den USA
InPress 2.0 im Regelbetrieb
B2B-Datenplattform gestarte
Redaktions-CMS für Partnermedien live
erste Vorbereitungen für die internationale Expansion, mit Kanada und Großbritannien als wahrscheinlichsten ersten Märkten
Einen Exit plant Harder nicht, schließt aber nichts aus. Als logische potenzielle Käufer nennt er Social Platforms, digitale Medienunternehmen sowie Werbe- und Datenfirmen - allerdings nur unter Bedingungen, die Neutralität und nicht-manipulative Distribution sicherstellen.
Die Kernfrage, die das ganze Projekt antreibt, formuliert Harder so: "Wie machen wir faktengetriebene Informationen in der Aufmerksamkeitsökonomie wettbewerbsfähig ?" Die Frage ist nicht neu. InPress wettet daruaf: Die Antwort ist kein besserer Journalismus - sondern besseres Game-Design.
Fünf Learnings für Medienunternehmen von InPress
Engagement-Metriken schlagen Download-Zahlen. Streaks, Bewertungen und Session-Tiefe zeigen, ob dein Publikum eine Gewohnheit entwickelt. Wer Erfolg immer noch an Seitenaufrufen misst, verliert die Retention-Perspektive aus dem BLick.
Gamification bedeutet nicht Qualitätsverzicht. Leaderboards, Streaks und Social Matching sind Engagement-Mechaniken, keine redaktionellen Entscheidungen. InPress kuratiert Stories durch menschliche Redakteurinnen und Redakteure nach echten Nachrichtenwert-Kriterien. Die Spielebene sitzt obendrauf - nicht an ihrer Stelle.
Verhaltensdaten sind ein unterschätztes Asset. Medienunternehmen haben Nutzer, die bewerten, klicken und sich durch Inhalte arbeiten. Die wenigsten wandeln diese Daten in strukturierte Verhaltensdaten um. InPress baut darauf ein Geschäftsmodell - und findet Partner und Kunden, bevor die App überhaupt skaliert.
KI-Disclosure braucht eine klare Policy. "Kein KI-Content" und "KI-generierte Zusammenfassungen" können gleichzeitig wahr sein - aber nur, wenn du deine Begriffe präzise definierst und transparent kommunizierst. Vage Positionierungen kosten Vertrauen.
Junge Zielgruppen zahlen - nur nicht für Abos. Das ClassPass-Modell, das InPress entwickelt - Credits für einzelne Paywall-Artikel, kombiniert mit Social- und Gamification-Features - löst ein echtes Problem. Unter-35-Jährige haben nichts gegen Qualitätsjournalismus. Sie lehnen aber Abonnements für Medien ab, die sie nur sporadisch lesen.

