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Datenreporterin Angela Eichhorst hat ein Tool gebaut, das den Aufwand für Berichterstattungen über politische Sitzungen in Connecticut enorm reduziert.

Eine Reporterin der Politik-Nonprofit-Website CT Mirror musste letzte Woche über eine achtstündige Ausschuss-Anhörung zum Thema Wohnungspolitik berichten. Das KI-generierte Transkript zu lesen und bearbeiten, dauerte zwei Stunden. Die vollständige Aufzeichnung anzusehen - inklusive Zurückspulen und Suchen nach relevanten Momenten - hätte deutlich länger gedauert.

Das neue Tool heißt Legitalk, ein KI-gestütztes System, das politische Sitzungen im US-Bundesstaat Connecticut transkribiert, nach Nummern von Gesetzentwürfen und Rednern indexiert und es Reportern ermöglicht, direkt zu den wichtigen Momenten zu springen.

Legitalk ging am 4. Februar 2026 live - nur zwei Wochen vor dem Einsatz der Wohnungspolitik-Reporterin. Es war eine Bewährungsprobe für skalierfähiges automatisiertes Monitoring von politischen Sitzungen. Letzte Woche habe ich per Zoom mit Angela Eichhorst, CT Mirrors KI-Datenreporterin, die Legitalk gebaut hat, über das Tool gesprochen und darüber, wie es in die KI-Strategie von CT Mirror passt.

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Feedbackschleifen verbesserten das Tool

Legitalk zieht automatisch Videos von den YouTube-Kanälen der mehr als 30 landesweiten Legislative-Ausschüsse in Connecticut. Jedes Video wird von Deepgram transkribiert und dann von OpenAIs API zusammengefasst - mit einem spezifischen Fokus: Jedes Mal, wenn ein Gesetzentwurf erwähnt wird, erstelle einen Zeitstempel.

Das Ergebnis ist eine dreigeteilte Benutzeroberfläche. Links sehen Reporter gesetzesspezifische Zusammenfassungen. In der Mitte können sie das vollständige Transkript nach Stichwörtern oder Rednernamen durchsuchen. Rechts ermöglicht der Videoplayer ihnen, einen beliebigen Abschnitt des Transkripts zu markieren und direkt zu diesem Moment im Hearing zu springen.

"Diese Hearings können zehn Stunden lang sein und acht verschiedene Gesetzentwürfe in unterschiedlichen Reihenfolgen diskutieren", erklärt Eichhorst. "Das Problem war, dass Journalisten sagten: Ich weiß nicht, wo ich die fünf Minuten finde, die mich interessieren."

Das Tool löst ein Erkennungsproblem, an der frühe Versionen scheiterten. Wenn Abgeordnete "Gesetzesentwurf 1422" erwähnen, sagen sie vielleicht "vierzehn zweiundzwanzig", "eins vier zwei zwei" oder "S.B. 1422". Eichhorst hat die KI-Prompts mit Beispielen all dieser Varianten angepasst, damit Suchen jede Erwähnung erfassen.

Feedback von Reportern führte zu weiteren Verfeinerungen. Die erste Version erlaubte Nutzern, Text zu markieren und nur diesen Clip abzuspielen. Reporter wollten aber lieber eine kontinuierliche Wiedergabe von diesem Punkt an. Eichhorst änderte die Funktion innerhalb von Tagen.

Wie man 85 Pain Points in der Redaktion ermittelt und dafür Lösungen baut

Legitalk wurde nicht von Grund auf neu gebaut. Eichhorst adaptierte den Open-Source-Code von Golden Dome (ein Code für Smart Transcripts aus Videos, basierend auf Python und AWS Lambda) und passte ihn an Connecticuts spezifische Ausschussstruktur und Workflow-Anforderungen an.

"Der wirkliche Mehrwert ist, dass ich Tools speziell für den Connecticut Mirror baue", sagt sie. "Nicht alle Redaktionen arbeiten gleich."

Legitalk ist nicht Eichhorsts erstes KI-Tool. Davor baute sie ein System, um Freedom of Information Act (FOIA) Dokumenten-Dumps zu bewältigen - mit KI, um Namen aus Hunderten von PDFs zu extrahieren und in durchsuchbare Aktenordner zu organisieren. Eine Reporterin hatte Dokumente erhalten, wusste aber nicht, wie viele Personen beteiligt waren oder was der Inhalt abdeckte. Der gemeinsame Nenner in Eichhorsts Projekten: KI für Volumen-Probleme nutzen, die Reporter Tage zum manuellen Bearbeiten kosten würden.

Diese Strategie basiert auf systematischer Nutzerforschung. Als Eichhorst im Mai 2025 zu CT Mirror kam, stellte sie 15 Kollegen eine einfache Frage: "Was nervt dich bei der Arbeit?"

Sie bekam 85 Pain Points als Antwort.

Die größten Probleme waren nicht technisch sondern eher zuviel Reibung bei Kommunikations-Workflows und Übergabeprozessen. "Viele Kollegen haben mir gesagt, dass sie Airtable mögen, Das ist einfach nur ein Tool, wo wir das Budget der Stories reinpacken, um den Content zu managen. Eine Lösung kann einfach sein."

Der Sweet Spot für KI, so fand sie heraus, waren Volumen-Probleme: "Ich habe viele Dokumente und kann sie nicht alle lesen" oder "Ich weiß nicht, was darin wichtig ist" oder "Ich kann nicht zu einem zehnstündigen Meeting."

Das Legitalk-Dashboard: Die linke Seite ist ein Menü, in dem Reporter zu den Meetings der ungefähr 30 verschiedenen Ausschüsse in Connecticut navigieren können.

Vulgäre Sprache in zwölf Stunden Video finden

Das Erlebnis der Wohnungspolitik-Reporterin war nicht die erste Validierung von Legitalk. Im Juli 2025, bevor das Tool existierte, bearbeitete Eichhorst eine dringende Anfrage, die zeigte, warum es gebraucht wurde.

Eine Abgeordnete in Connecticut las vulgäre Sprache aus verbotenen Büchern während einer Sitzung vor - für den Schockeffekt, als Teil einer Debatte über Buchverbote. Eine Reporterin erinnerte sich, dass das schon in einem früheren Meeting passiert war, konnte aber nicht festmachen, wo die Stelle in einer zwölfstündigen Videoaufzeichnung war.

Eichhorst nutzte KI, um das Video zu transkribieren, und fragte dann: Kannst du explizite Sprache finden?

OpenAI blockierte sie zunächst. Der Content verletzte die Richtlinien. Sie formulierte um und promptete mehrfach neu. Schließlich bekam sie Ergebnisse - wörtliche Zitate, die zeigten, dass die Abgeordnete das tatsächlich Monate zuvor schon einmal getan hatte.

Die Arbeit dauerte drei bis vier Stunden. Das vollständige zwölfstündige Meeting anzuhören, wäre bis zur Deadline unmöglich gewesen.

Ein kritisches Detail: CT Mirror verifiziert alle Details. Die Redaktion checkte Zitate gegen Originaldokumente und bestätigte Claims mit Zweitquellen vor der Veröffentlichung. Die KI fand die Nadel im Heuhaufen. Aber Menschen verifizierten, dass es tatsächlich eine Nadel war.

Diese Erfahrung überzeugte Eichhorst, dass durchsuchbare Transkripte auf Abruf wertvoll wären. "Wenn das dieses Jahr wieder passiert, wäre es bereits auf meiner Website, und die Reporterin könnte nach dem Namen dieser Abgeordneten suchen und die Passage wäre automatisch da."

Skalierung auf 169 Kommunen

Die Skalierungs-Frage steht im Raum. Connecticut hat 169 Kommunen, die jeweils mehrere Sitzungen abhalten. CT Mirrors 25-köpfige Redaktion kann unmöglich bei allen dabei sein. Eichhorst plant, Legitalks Ansatz auf kommunale Meetings auszudehnen, aber sie nutzt das Tool jetzt erst einmal als Prototyp.

Die Herausforderung wird Signal-to-Noise im großen Maßstab sein. Legislative Ausschüsse diskutieren acht Gesetzentwürfe über zehn Stunden. Kommunale Meetings könnten weitläufige Themen wie Bebauungspläne, Budgets, Schulbehörden und Routine-Genehmigungen abdecken - ohne klare Indexierungs-Struktur.

Eichhorst wird das vollständige Feedback zu Legitalk erst kennen, wenn Connecticuts Sitzungsperiode am 5. Mai endet. "Ich muss noch das vollständige Feedback von meinen Kollegen bekommen, was ihnen am Tool gefallen hat und was besser sein könnte", sagt sie. Derzeit laufen öffentliche Anhörungen - der echte Test, ob das Tool Zeit spart, wenn es am meisten darauf ankommt.

Das Dashboard zeigt links eine Zusammenfassung von Gesetzentwürfen. Reporter können "Transcript" klicken, um nach Keywords im gesamten Transkript zu suchen, oder "Speaker", um nach bestimmten Rednern zu suchen. Sie können Abschnitte des Transkripts markieren (rechts) und auf Play unter "Clip" drücken, um ab diesem Punkt das Video abzuspielen.

Entwicklung für spezifische Bedürfnisse

Können andere Redaktionen das Tool nachbauen? Technisch: ja. Der Golden Dome-Code ist Open Source. Deepgram und OpenAI bieten zugängliche APIs. Und Eichhorsts User-Research-Methodik - Kollegen fragen, was sie nervt - kostet nichts.

Praktisch ist es jedoch schwerer. CT Mirror hat ein zweiköpfiges Daten-Desk und Funding vom American Journalism Project, das speziell Eichhorsts Stelle finanziert. Die meisten Nonprofit- und kleinen For-Profit-Redaktionen haben diese Kapazität nicht. Die ökonomische Realität von KI-Adoption im Journalismus: Die Tools, die am besten funktionieren, sind selbst entwickelt für spezifische Workflows, und das erfordert dediziertes technisches Personal.

CT Mirror ersetzt Reporter nicht durch KI-Tools. Die Redaktion nutzt KI, um ihrer 25-köpfigen Belegschaft zu helfen, mehr Themen abzudecken. Eichhorsts Arbeit fügt sich neben die ihrer Kollegen ein. Sie hat Tools gebaut, die ihnen Zeit bei Routine-Aufgaben spart, damit sie sich auf echten Journalismus fokussieren können - mit Quellen reden, sich auf das Schreiben konzentrieren oder tiefer in Datenanalysen einsteigen.

Wo KI an ihre Grenzen stößt

Eichhorst ist sich klar darüber, was KI nicht kann. "KI kann nichts Neues berichten. KI zieht Schlüsse aus Informationen, die bereits existieren. Wenn es ein Thema gibt, über das niemand berichtet hat, wenn es eine Perspektive gibt, die niemand betrachtet hat, wird KI versagen."

CT Mirrors KI-Ethik-Policy definiert die Leitplanken. Das Tool assistiert bei der Bereichterstattung. Es ersetzt keine Verifikation. Menschen checken Zitate, verifizieren Behauptungen und treffen redaktionelle Entscheidungen.

Die Wohnungspolitik-Reporterin, die ein achtstündiges Meeting durchging, indem sie das Transkript las, musste immer noch Quellen interviewen und die Story schreiben. Legitalk zu nutzen bedeutete nur, dass sie nicht acht Stunden zuhören musste, um die 20 Minuten zu finden, die wichtig waren.

Legitalk schreibt keine Stories. Es findet die Momente, über die es sich zu schreiben lohnt.

5 Learnings für News Publisher

  1. Frag, was deine Reporter nervt, nicht was KI kann. Eichhorst bekam 85 Pain Points von 15 Kollegen, indem sie fragte: "Was nervt dich bei der Arbeit?" Sie erwähnte KI nicht einmal. KI-Lösungen funktionieren am besten, wenn sie echte Probleme lösen, nicht theoretische Use Cases.

  2. Finde Lösungen für Transkripte langer Meetings. Reporter können Transkripte schneller lesen als sie Aufnahmen anhören können - selbst mit Playback-Speed-Controls. Das ändert die Ökonomie von umfassender Berichterstattung für kleine Redaktionen.

  3. Tools müssen zu echten Workflows passen. Legitalk funktioniert, weil Eichhorst Golden Domes Open-Source-Code für Connecticuts Ausschussstruktur adaptierte und dann basierend auf Reporter-Feedback iterierte. Das bedeutet nicht zwingend, von Grund auf neu zu bauen. Die Anpassung für spezifische Bedürfnisse ist wichtig, nicht die zugrunde liegende Technologie.

  4. Verifikations-Protokolle sind nicht verhandelbar. Zitate gegen Originaldokumente checken und Zweitquellen als Belege finden gilt weiterhin. Das KI-Tool findet Leads. Menschen verifizieren sie. Diese Maxime dient der Genauigkeit und Glaubwürdigkeit.

  5. Custom-Tools erfordern dediziertes technisches Personal. Legitalk funktioniert, weil ein zweiköpfiges Datenteam Prompts optimieren kann, wenn Gesetzentwurfs-Nummern falsch transkribiert werden, Zusammenfassungen anpassen kann, wenn Reporter andere Formatierungen brauchen, und Playback-Kontrolle basierend auf Feedback verbessern kann. Die meisten kleinen Redaktionen haben diese Kapazität nicht - was eine Barriere ist.

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