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Medienunternehmen stehen 2026 vor drei offenen Fragen zu KI:

  • Wie werde ich für meine Inhalte bezahlt?

  • Welcher Branchen-Koalition soll ich beitreten?

  • Was soll ich intern aufbauen?

Zwei Ereignisse aus den letzten Wochen zeigen, warum diese drei Fragen zusammenhängen.

Am 29. April war Sam Altman Gast in Nick Thompsons Atlantic-Podcast und sagte, KI-Agenten sollten Medienunternehmen bezahlen. Mitte Mai machte der Clip die Runde. Altman nannte Zahlen. Ein KI-Agent zahlt 17 Cent, um einen Artikel zu lesen. Ein Mensch zahlt einen Dollar, um den ganzen Artikel zu lesen. Das Medienunternehmen legt in Altmans Beispiel den Preis fest.

Am 7. Mai startete Amazon Web Services Bedrock AgentCore Payments — ein echtes Produkt mit Dokumentation, APIs und einer Preisstruktur, die bereits läuft. AWS hat es zusammen mit den Bezahldiensten Coinbase und Stripe gebaut. Agenten können eine Zahlungsquelle hinterlegen, ein Budget zugewiesen bekommen und autonom Transaktionen durchführen. AWS nennt Finanzanalysen mit kostenpflichtigen Inhalten als einen der fünf Standardanwendungsfälle: Agenten, die für Zugang zu „Echtzeit-Marktdaten hinter Bezahlschranken“ bezahlen.

Das eine ist ein CEO, der in einem Podcast spricht. Das andere ist ein Produkt, das bereits auf dem Markt ist. Und wer nachliest, was da gestartet wurde, sieht: Es macht nicht das, was Altman beschrieben hat.

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Why does every QBR sound like it took an hour to prep?

The strategic-account QBR has a different feeling. The CSM walks in knowing the buying committee, usage trends, support history, news on the company. They've blocked an hour to prep. The customer feels seen.

The other 190 QBRs don't get that hour. The CSM scans the dashboard five minutes before the call. They wing it. The customer answers the same baseline questions for the third time this year.

What if every QBR was a strategic-account QBR? Two minutes before the call, your CSM has the full brief in Slack: usage trends, support history, NPS, news on the company, what their champion just posted on LinkedIn.

Every customer feels like your top customer. Even when there are 200 of them.

3,000+ tools connected. SOC 2 certified. Your data never trains models.

"It was almost instantly adopted by the bulk of my team." Boris Wexler, CEO, Space Dinosaurs

Was AgentCore wirklich macht

Liest man die AgentCore-Dokumentation, zeigt sich: Die Architektur ist zweigeteilt.

AgentCore kümmert sich um die Agentenseite der Bezahlung. Der Betreiber des Agenten legt ein Budget fest, der Agent kauft innerhalb dieses Budgets ein, AWS übernimmt den Rest. Ein paar Zeilen Code, zwei Bezahlpartner — und der Agent kann für jede kostenpflichtige Ressource im offenen Internet bezahlen.

Auf der Seite der Medienunternehmen sieht die Sache anders aus.

Damit ein Agent ein Medienunternehmen bezahlen kann, muss dieses seine Inhalte über einen x402-Endpoint zugänglich machen — ein offenes Protokoll, das Coinbase entwickelt hat. Eine Website antwortet auf eine Agentenanfrage mit „Zahlung erforderlich“ und einem Preis und liefert den Inhalt erst, wenn die Zahlung bestätigt ist. Das Medienunternehmen legt den Preis fest. AgentCore sorgt nur dafür, dass Agenten bezahlen können.

Ein Medienunternehmen, das einen x402-Endpoint gebaut hat, kann einen Preis nennen, den ein Agent zu sehen bekommt. Der Coinbase x402 Bazaar, mit dem AgentCore direkt verbunden ist, listet bereits mehr als 10.000 bezahlte Endpoints. Fast keiner davon gehört einem Medienunternehmen.

Genau das setzt Sam Altmans Mikropayment-Szenario stillschweigend voraus. AgentCore hat die einfachere Hälfte gelöst. Die schwierigere Hälfte ist das Problem der Medienunternehmen.

Man könnte jetzt denken, das spielt keine Rolle, weil AgentCore gerade erst gestartet ist. Aber Infrastrukturentscheidungen, die jetzt fallen, lassen sich später kaum rückgängig machen. Sollte AgentCore zur dominanten Bezahlschiene für KI-Agenten werden — und AWS hat die Reichweite, um genau das zu erreichen — ist die heute eingebaute Architekturentscheidung diejenige, mit der Medienunternehmen jahrelang leben müssen.

Drei Koalitionen, drei verschiedene Zukunftsszenarien

Jetzt zur anderen Story, weil sie damit zusammenhängt.

Bei Newsrewired im Mai betonte Ezra Eeman, Strategie- und Innovationsdirektor beim niederländischen öffentlich-rechtlichen Sender NPO: „Nobody knows the right model.“ Kostenloses Crawlen vs. Pay-per-crawl, Links und Attribution vs. exklusive Deals, Umsatzbeteiligung irgendwo dazwischen — Eeman zählt die Optionen auf und kommt zu dem Schluss, dass die Rechnungen noch nicht aufgehen.

Er hat recht. Aber drei Koalitionen von Medienunternehmen haben sich bereits auf drei dieser Optionen festgelegt, und die Optionen sind nicht miteinander kompatibel. Eine setzt auf Pay-per-Interaktion. Eine setzt auf Pauschallizenzierung, die alles zu einem Festpreis abdeckt. Eine setzt darauf, dass Medienunternehmen die Verteilungsschicht, für die Agenten bezahlen, gemeinsam besitzen. Diese drei Modelle konkurrieren um dieselben Einnahmen. Sie lassen sich nicht stapeln. Welches Modell sich als Standard durchsetzt, macht die anderen beiden marginal.

Das erste ist SPUR. Im Februar gründeten BBC, Financial Times, Guardian, Mediahuis, Sky News und Telegraph SPUR — die Standards-for-Publisher-Usage-Rights-Koalition. Sie wurde als kollektive Antwort auf KI angekündigt. Die CEOs der Gründungsmitglieder unterzeichneten einen offenen Brief. Die Fachpresse berichtete darüber als „die NATO der britischen Medien gegen KI“.

Einen Monat nach SPURs Gründung unterzeichnete die News/Media Alliance — sie vertritt 2.200 Nachrichten- und Magazinmarken in den USA — einen Lizenzvertrag mit Bria, einem KI-Unternehmen, das Medienunternehmen pro Nutzung bezahlt. Die Bezahlung richtet sich danach, wie häufig deren Inhalte in KI-Tools für Unternehmen auftauchen — etwa Finanz-Copilots, juristischen Chatbots und internen Suchsystemen.

Im Mai berichte berichtete WAN-IFRA , dass sich die dpa, die Deutsche Presse-Agentur im Besitz von 174 deutschen Medienunternehmen, als „trusted info layer“ für KI-Agenten neu positioniert.

SPUR ist um gemeinsame Standards für eine transaktionale Zukunft gebaut. Die eigene Sprachregelung der Koalition nennt Pay-per-crawl und Pay-per-inference als die Strukturen, die ausgearbeitet werden müssen — nicht Pauschallizenzierung, nicht Infrastrukturzugang.

Der Bria-Deal — und die ältere Danish Press Publications' Collective Management Organization, der 2021 99 Prozent der dänischen Nachrichtenmarken beigetreten sind — funktioniert nach dem Pauschallizenz-Modell. Eine Rate aushandeln. Alles abdecken. KI-Unternehmen die Inhalte unter den Bedingungen des Deals nutzen lassen, ohne jede einzelne Interaktion zu messen.

Die dpa zielt wieder woanders hin. KI-Agenten lizenzieren keine dpa-Inhalte. Sie bezahlen für den Zugang zu einer Verteilungsschicht mit verifizierten Inhalten, die Medienunternehmen gemeinschaftlich besitzen. Die Bezahleinheit ist der Zugang zur Schicht, nicht der einzelne Artikel.

Wer einer dieser Koalitionen beitritt, arbeitet gegen die Annahmen der beiden anderen.

Die frühen Hinweise sind gemischt. AgentCore zeigt in die transaktionale Richtung, was SPURs Modell stärkt. Der Meta-News-Corp-Deal mit bis zu 50 Millionen Dollar jährlich über drei Jahre zeigt in Richtung Pauschallizenzierung. Microsofts Publisher Content Marketplace wurde in Worten beschrieben, die zu allen drei Modellen passen könnten. Welches sich durchsetzt, wissen wir noch nicht.

Wenn also jemand sagt, Medienunternehmen müssten einer Koalition beitreten, blieben offene Fragen: Welcher Koalition? Für welche Zukunft gebaut?

Die Koalitionen bevorzugen Medienunternehmen in bestehenden Strukturen

Zu SPURs Gründungsmitgliedern gehören fünf der einflussreichsten Nachrichtenhäuser der englischsprachigen Welt: BBC, Financial Times, Guardian, Sky News und Telegraph, dazu die belgisch-niederländische Gruppe Mediahuis. Die BBC arbeitet unter einer Royal Charter mit öffentlicher Finanzierung in Milliardenhöhe. Die FT gehört Nikkei und hat direkte Beziehungen zu allen großen Tech-Plattformen. Hinter dem Guardian steht der Scott Trust. Keines dieser Medienunternehmen braucht eine Koalition, um einen Rückruf von Microsoft, Amazon oder OpenAI zu bekommen.

Sie haben trotzdem eine gegründet, was rational ist — kollektive Verhandlungsmacht ist besser als individuelle, selbst wenn die individuelle schon sehr groß ist. Aber das Muster ist auffällig. Koalitionen in KI-Ära bilden sich rund um Medienunternehmen mit ohnehin starken Einzelpositionen, oder in Märkten, in denen es bereits kollektive Strukturen gibt.

Dänemark ist der umgekehrte Fall. Die CMO wurde 2021 gegründet, weil das dänische Urheberrecht und eine lange Tradition kollektiver Rechtewahrnehmung den dänischen Medienunternehmen eine fertige Struktur boten, in die sie sich einklinken konnten. Die dpa ist ähnlich — eine 1949 gegründete Genossenschaft, deren 174 Gesellschafter die meisten deutschen Regionalzeitungen, Rundfunkanstalten und Magazinverlage umfassen.

Medienunternehmen, die im Mai 2026 keinen Sitz in einer Koalition haben, befinden sich in Märkten ohne Tradition kollektiver Rechtewahrnehmung, die sich für die KI-Ära umwidmen ließe. Ein mittelgroßes US-Regionalmedium kann SPUR nicht beitreten. Es gibt kein US-Pendant — die News/Media Alliance bietet Opt-in-Vertragsrahmen an, ist aber kein Standardisierungsgremium. Ein mittelgroßes Medienunternehmen in den meisten asiatischen Märkten, in weiten Teilen Osteuropas und in großen Teilen Lateinamerikas hat nichts, was mit der dpa oder der dänischen CMO vergleichbar wäre. Die Abgrenzung verläuft nicht zwischen großen und kleinen Medienunternehmen sondern zwischen Märkten, in denen vor Jahrzehnten kollektive Strukturen entstanden, und Märkten, in denen das nicht passierte.

Das hat eine nützliche Kehrseite. Deutsches Regionalmedien sind Teil der Koalition, die gerade dpa-iq baut, den trusted info layer. Sie haben Anteil daran, was entsteht. Die Frage lautet, was du willst, dass deine Koalition für dich baut — und ob die dpa-iq-Architektur zu der Zukunft passt, von der du glaubst, dass sie kommt.

Falls du nicht in einem Markt mit einer nationalen Organisation für kollektive Rechtewahrnehmung operierst, betrifft dich der nächste Abschnitt um so mehr.

Weitere Option: Selbst bauen

Egal, ob Koalition oder nicht — es gibt einen Schritt, den jedes Medienunternehmen direkt machen kann: Bau dein eigenes Fundament.

Genau das macht The Economist mit seiner zweispurigen Web-Strategie (»two-track web«) — die Inhalte außerhalb der Paywall werden für KI-Antwortsysteme neu strukturiert. Die belgisch-niederländische Gruppe Mediahuis betreibt eine Multi-Agenten-Pipeline für Erstberichterstattung, in der KI-Agenten Schreiben, Faktencheck, Rechtsprüfung und Bildauswahl übernehmen, bevor ein menschlicher Redakteur den Beitrag freigibt. Mediahuis agiert auf beiden Ebenen — als SPUR-Gründungsmitglied und beim Eigenbau. DMG Media, Verlagshaus der Daily Mail, hat Mail iQ gebaut, ein Multi-Agenten-System, das mehr als 300 Social-Media-Assets am Tag produziert. Das Engineering-Team des Philadelphia Inquirer hat einen internen Agenten gebaut: Sobald ein Jira-Ticket mit „readyforai“ markiert ist, holt sich der Agent die Spezifikation, zieht die Dokumentation aus Confluence, lädt Designs aus Figma, legt einen Git-Branch an und schreibt den Code mit Claude Code.

Sein eigenes Fundament zu bauen läuft auf drei Dinge hinaus: ein strukturiertes Archiv der eigenen Inhalte — einen Content Lake —, einen Weg, über den KI-Agenten direkt darauf zugreifen können, und einen Weg, sie dafür zur Kasse zu bitten. Genau das setzen Altman, der Economist, die dpa und die gesamte Koalitionsebene voraus, dass es irgendwo schon existiert.

Warum das wichtig ist: Sein eigenes Fundament zu bauen ist der einzige Schritt, der sich auszahlt, egal welche Koalition gewinnt. Kommt die transaktionale Zukunft, ist ein MCP-Server vor deinem Content Lake der Weg, über den du Transaktionen abwickelst. Kommt die Pauschallizenz-Zukunft, macht dich ein sauberer Content Lake mit strukturierten Lizenz-Metadaten reif für einen Deal. Kommt die Infrastrukturzugangs-Zukunft der dpa, hast du die strukturierten Inhalte, mit denen du dich an die Schicht anschließen kannst.

Die drei Fragen, vor denen Medienunternehmen 2026 stehen — wie ich bezahlt werde, welcher Koalition ich beitrete, was ich intern aufbaue — haben eine richtige Reihenfolge. Bau zuerst dein Fundament. Wähl dann eine Koalition, die dazu passt. Schließ dann Deals ab, die zu beidem passen.

Wer die Reihenfolge andersherum abarbeitet, unterzeichnet Deals, bevor klar ist, was gebaut wurde, tritt Koalitionen bei, bevor klar ist, welche Architektur gewinnt, und hofft, dass es schon irgendwie gut geht. Vielleicht wird es das. Aber Hoffnung ist keine Strategie, die sich umsetzen lässt.

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